Neue Gedichte von Klaus Martens

 

November 2018

 

Kontusion

Die Nadelspitze glitt sanft

in Haut und Fleisch und Vene,

wie eine Mückenlanze

suchte sie dein Blut und sog

und zog es aus deinem

in ihr Inneres, wo Platz war

für deinen Saft, der zu kosten war,

zu schätzen und zu prüfen.

Hieltest du den Atem an,

dachtest du ans Himmelreich?

Als du hinaus tratest,

war der Arm verwirrend blau,

wie der neu geborene Himmel.

 

Saiteninstrumente

Alle Saiteninstrumente

haben zu mir gesprochen

mit ihren feinen Stimmen

und manchen bin ich gefolgt,

dem volkstümlichen Zug

bin ich gefolgt, nie ein Meister,

kaum ein Könner, doch immer

ein Liebhaber, ein Entdecker

der Welten in vier, fünf,

sechs Saiten, die Hände an

ihren zitternden Körpern –

hab sie ausgepackt, angefasst.

Nur die Violine blieb mir

in ihrem Haus verschlossen.

Doch hab ich sie dennoch geliebt.

 

Unwahr

Es ist nicht wahr,

dass die Furcht uns beflügelt:

Wir haben nicht Hermes´ Schuhe,

wir tragen keinen Helm

außer unseren Haaren,

sie flattern im Wind,

doch sie fliegen auch nicht.

Unsere Schuhe sind schwer

und kleben am Boden –

So ergreifend unser langsamer Gang

den Lebensweg entlang.

 

Neuer Boden

Der Teppich fliegt nicht mehr,

er liegt totgetreten da.

Ein neuer Boden muss her,

wie wär´s mit Parkett,

diplomatisch oder hochpolitisch?

Wir verlegen ihn gemeinsam:

Neue Arbeit ist nicht schwer,

alte Arbeit fest getretene Zeit.

Nun lasst uns achtsam sein,

falls sich der neue Boden öffnet.

 

 

 Alle Copyright by Klaus Martens 2018